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Sterne müssen in der Praxis bestehen.

Vorsitzender des Beirates der DEHOGA Deutsche Hotelklassifizierung GmbH, Vorsitzender des Fachbereichs Hotellerie des DEHOGA Bayern

Ein persönlicher Blick von Stefan Wild auf Verantwortung, Wandel und den Dialog hinter den Hotelsternen

Ein Hotelstern ist schnell an die Fassade geschraubt. Aber dafür zu sorgen, dass er hält, was Gäste von ihm erwarten – und gleichzeitig für die Betriebe nachvollziehbar und umsetzbar bleibt –, ist eine ganz andere Aufgabe.

Das habe ich in vielen Jahren als Hotelier selbst erlebt. Hinter jedem Kriterium stehen am Ende ganz konkrete Fragen: Was erwartet der Gast heute? Was kann ein Betrieb sinnvoll leisten? Wo verändert Technologie unsere Abläufe? Und was bedeutet guter Service in einer Branche, die sich permanent weiterentwickelt?

Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich die Arbeit für die Deutsche Hotelklassifizierung über all die Jahre so gereizt hat. Sie findet nicht im luftleeren Raum statt. Was wir diskutieren und entscheiden, muss sich anschließend in ganz unterschiedlichen Hotels bewähren – vom kleinen familiengeführten Haus bis zum großen Betrieb. Diese Nähe zur Praxis war mir immer wichtig. Denn ein Klassifizierungssystem bleibt nur dann glaubwürdig, wenn diejenigen, die täglich mit Gästen und Mitarbeitenden zu tun haben, ihre Erfahrungen einbringen können.

Dabei habe ich eines immer wieder erlebt: Die besten Lösungen entstehen selten dadurch, dass einer allein die Antwort kennt. Sie entstehen im Austausch. Wenn unterschiedliche Erfahrungen, Regionen, Betriebsformen und manchmal auch sehr unterschiedliche Meinungen an einem Tisch zusammenkommen, wird es interessant. Natürlich wird dabei diskutiert und bisweilen auch gerungen. Für mich gehört genau das zu einer guten Interessenvertretung. Entscheidend ist, am Ende einen Weg zu finden, der für den Gast verständlich und für die Hotellerie tragfähig ist.

2015 hat diese gemeinsame Verantwortung auch organisatorisch einen neuen Rahmen bekommen. Mit der Gründung der DEHOGA Deutsche Hotelklassifizierung GmbH wurde ein über viele Jahre gewachsenes und erfolgreiches System institutionell weiterentwickelt. Nach fast zwei Jahrzehnten Deutscher Hotelklassifizierung ging es nicht um einen Neustart, sondern darum, wirtschaftliche, rechtliche und organisatorische Anforderungen in einer klaren und belastbaren Struktur zusammenzuführen. Bei der Gründungsversammlung wurde ich zum Vorsitzenden gewählt und durfte diese neue Phase von Beginn an begleiten.

Am Ende dieser ersten Sitzung habe ich die Gesellschafter dazu aufgerufen, den „frischen Wind“ der neuen Struktur für eine noch bessere Vermarktung der Hotelsterne zu nutzen. Rückblickend beschreibt dieser Gedanke ziemlich gut, worum es mir in all den Jahren gegangen ist: Bewährtes erhalten, aber gleichzeitig offen dafür bleiben, was sich verändern muss.

Denn Verlässlichkeit bedeutet nicht Stillstand.

Die vergangenen Jahre haben eindrucksvoll gezeigt, wie wandlungsfähig die Hotelklassifizierung sein muss. Digitalisierung, neue Serviceformen, Nachhaltigkeit und der Arbeitskräftemangel verändern den Hotelalltag grundlegend. Die Aufgabe besteht darin, solche Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern sie aus Sicht der Gäste und der Betriebe einzuordnen und in nachvollziehbare Standards zu übersetzen. Genau hier wird die Arbeit besonders spannend: wenn aus Veränderungen im Markt konkrete Fragen für die Klassifizierung werden.

Hinzu kommt die europäische Perspektive. Die Zusammenarbeit innerhalb der Hotelstars Union hat die Hotelsterne über nationale Grenzen hinweg enger zusammengeführt. Unterschiedliche Märkte, Traditionen und Betriebsstrukturen verständigen sich auf gemeinsame Maßstäbe. Das ist alles andere als selbstverständlich – und zugleich enorm wertvoll. Denn Gäste reisen europäisch. Umso wichtiger ist es, dass sie auch über Grenzen hinweg verstehen, wofür Sterne stehen.

Mein persönlicher „Sternmoment“ ist deshalb weniger ein einzelner Termin. Es ist ein Moment, der sich immer wiederholt: wenn aus unterschiedlichen Sichtweisen ein gemeinsamer, tragfähiger Weg entsteht. Wenn Kollegen aus der Praxis sagen: „So können wir das umsetzen“, und zugleich klar ist, dass der Gast versteht, wofür die Sterne stehen, dann haben wir viel erreicht.

Nach mehr als einem Jahrzehnt in dieser Verantwortung ist für mich eines unverändert: Die Hotelklassifizierung lebt vom Dialog. Sie muss Gästen ebenso zuhören wie Hoteliers. Sie muss Veränderungen zulassen, ohne ihre Verlässlichkeit preiszugeben. Und sie braucht Menschen, die bereit sind, Erfahrungen einzubringen, zuzuhören und auch miteinander zu ringen.

Sterne sind ein Versprechen. Damit dieses Versprechen glaubwürdig bleibt, müssen wir es immer wieder gemeinsam mit Leben füllen.

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