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„Als die Leuchttürme dazukamen“

Grego Maihöfer / Ehem. Hauptgeschäftsführer DEHOGA Hamburg und früher Mitgestalter der Hotelklassifizierung in Baden-Württemberg

Ein strahlender Sommermorgen in der Villa Reitzenstein, dem Regierungssitz von Baden-Württemberg.

Der Ministerpräsident sollte gleich den 1.000sten Betrieb klassifizieren und auszeichnen. Kleinere Vorgaben des Beamtenapparats wie „typisch mittelständisch“ und „inhabergeführt“ waren im Vorfeld organisatorisch geklärt, und pünktlich um 11:00 Uhr erschien – sichtlich aufgeregt – ein Hotelier aus Oberschwaben mit seiner Frau, diese sogar, nicht abgesprochen, in Tracht. 

Es gab einen Obstkorb für Ministerpräsident Erwin Teufel, schöne Bilder für die Medien und irgendwie auch passend den ersten Hotelführer der klassifizierten Betriebe in Baden-Württemberg. Der Regierungschef fand sicher treffliche Worte für unternehmerische Lebensleistung und dankte der Branche gewiss auch für ihr Engagement in der Berufsausbildung. Business as usual – und klappern gehört im Marketing wie in der Politik eben zum Geschäft.

Für die Akzeptanz der Klassifizierung hatte dieser Termin verbandspolitisch allerdings eine ganz andere Dimension. Denn neben dem Auszuzeichnenden standen zwei Urgesteine der deutschen Luxushotellerie: Heiner Finkbeiner und Hermann Bareiss, die ebenfalls stolz, gerührt und sichtlich ergriffen Schild und Urkunde aus der Hand des Regierungschefs entgegennahmen. Dann hielt der Ministerpräsident – der konnte das wirklich gut – eine wahre Eloge auf diese gestandenen Männer, sodass ihnen die Tränen der Rührung bis in die Mundwinkel rannen.

Der noch verhältnismäßig neue Vorsitzende der Fachgruppe Hotellerie, Otto Geisel, murmelte etwas von einer „branchenpolitischen Sensation“. Im Anschluss ging es mit 15 oder 20 Personen zu einem anderen Urgestein, diesmal der schwäbischen Kochkunst: zu Vinzenz Klink auf die Wielandshöhe. Der Ministerpräsident nahm sich nochmals volle zwei Stunden Zeit für ein vorzügliches Mittagessen, bei dem wir mit ihm in sichtlich entspannter Atmosphäre alle möglichen Fragen besprechen konnten. Natürlich war auch der Patron des Hauses dabei – und es gab, wenn ich mich recht erinnere, hervorragenden Champagner-Bratbirnen-Sekt von der schwäbischen Alb.

Luxushotellerie und Klassifizierung – das war anfangs wie Feuer und Wasser. Mein Fachgruppenvorsitzender war zum Glück alles andere als ein typischer Verbandsfunktionär mit durchschnittlichem Betrieb, sondern Inhaber eines weit über die Region hinaus bekannten traditionsreichen Hotels mit Sternegastronomie. Entsprechend hatte er direkten Zugang zu den knorrigen, wirklichen Leuchttürmen der Branche.

Natürlich rief er auf meine Bitte hin Heiner Finkbeiner zunächst wegen der Teilnahme an der Hotelklassifizierung an – der ihm aber sprichwörtlich umgehend mitten ins Gesicht sprang. Ein klassischer Fehlschuss, ein Eigentor. Wer selbst schon an der Spitze steht, teilt die Bühne nicht – schon gar nicht mit Konkurrenten. Und Geld sollte es auch noch kosten? Für Marketing? Die spinnen wohl beim Verband!

In einem wahrscheinlich lichten Moment haben wir dann gut ein Jahr später, als sich bereits abzeichnete, dass die Zahl der klassifizierten Betriebe in Kürze vierstellig sein würde und die Zusage des Ministerpräsidenten vorlag, den 1.000sten Betrieb persönlich auszuzeichnen, die beiden Leuchttürme angeschrieben. Wir deuteten geheimnisvoll an, dass eine sehr prominente politische Persönlichkeit den 1.000sten Betrieb auszeichnen werde – und erhielten postwendend von beiden die Klassifizierungsunterlagen.

Natürlich dachte wahrscheinlich zunächst jeder, dass wohl nur er selbst für die Auszeichnung in Frage komme – und gerade nicht der örtliche Konkurrent. So gelang uns ein jedenfalls verbandspolitischer Durchbruch für das noch junge und ehrgeizige Projekt zur Etablierung der Hotelklassifizierung. Denn nun waren die schwäbischen Leuchttürme auch dabei.

Ein pikantes Detail am Rande: Geraume Zeit später rief mich ein anderer Hotelier aus dem Umland an, dem wir den Zusatz Superior verweigert hatten, und faselte etwas von dem immensen Druck, dem ich wohl ausgesetzt sei. Ich antwortete nur, dass das erstens nicht stimme und ich zweitens gerade gekündigt hätte. Damit war auch dieses Gespräch beendet. In der Branche geht es eben gelegentlich doch sehr hemdsärmelig zu.

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