„Die Anfangsphase – und Markus Luthes Vision“
André Witschi / Ehemaliges Vorstandsmitglied der ACCOR SA und Stimme der internationalen Kettenhotellerie
Die Jahre 1996, 1997 und 1998 waren für die Branche eine bewegte Zeit. Der Sterneklassifizierung begegnete man zunächst vielfach mit Zurückhaltung.

Nicht wenige fragten sich, wozu es sie überhaupt brauche – schließlich, so hieß es oft, „kennen meine Gäste mein Haus“.
Die Hotellerie war stark fragmentiert, und die Informationsmöglichkeiten der Gäste waren im Vergleich zu heute noch sehr begrenzt. Das Internet steckte in den Kinderschuhen: Yahoo gab es bereits, Google hingegen noch nicht. Aus heutiger Sicht, in einer Zeit von KI und ChatGPT, kaum noch vorstellbar.
Gleichzeitig plante die Europäische Kommission die Einführung eines eigenen Hotelklassifizierungssystems. Dank des Engagements von HOTREC und insbesondere von Markus Luthe gelang es jedoch, unserem branchengetragenen Ansatz den Vorzug zu verschaffen – unter der Voraussetzung, in absehbarer Zeit ein multinationales System auf die Beine zu stellen.
Für uns war klar: Wenn schon ein Klassifizierungssystem kommt, dann sollte es aus der Branche heraus entstehen – und nicht aus Brüssel vorgegeben werden. Deshalb galt es zunächst, die Mitglieder von DEHOGA und IHA zu motivieren, sich auf diesen Weg einzulassen. Denn wie hätten wir andere Länder für ein gemeinsames Modell gewinnen können, wenn wir es nicht einmal „zu Hause“ geschafft hätten?
Da mir eine starke Branchenvertretung immer besonders wichtig war, wollte ich alles dafür tun, dass die Hotelklassifizierung ein Erfolg wird. In der Konsequenz ließen wir damals alle Accor-Hotels klassifizieren. Das schuf einen wichtigen Grundstock und hat sicherlich auch andere Betriebe ermutigt, sich anzuschließen.
Heute, 30 Jahre später, erfüllt es mich mit großer Freude, zu sehen, wie weit sich die Hotelklassifizierung entwickelt hat. Dass das europäische System inzwischen in 22 Ländern Anwendung findet und weitere Länder hinzukommen, ist ein großer Erfolg.
Besonders wichtig ist für mich dabei bis heute, dass wir diese Klassifizierung selbst gestalten können – und uns nicht einer staatlich vorgegebenen Regelung der Europäischen Union beugen mussten. Markus Luthe, der von Anfang an diese Vision hatte, auf allen Ebenen die Lokomotive war und unzählige Hindernisse aus dem Weg geräumt hat, gebührt dafür ein ganz besonderer Dank.
