»Wenn ich heute ein Hotel buche, weiß ich ziemlich genau, was mich erwartet. Das war nicht immer so.«
Renate Mitulla / Geschäftsführerin DEHOGA Niedersachsen
Als Gast habe ich mich früher oft gefragt: Wie ist das Bad ausgestattet? Gibt es WLAN, einen Haartrockner, genügend Sitzmöglichkeiten oder einen Tisch zum Arbeiten?

Als Gast habe ich mich früher oft gefragt: Wie ist das Bad ausgestattet? Gibt es WLAN, einen Haartrockner, genügend Sitzmöglichkeiten oder einen Tisch zum Arbeiten? Kann ich bargeldlos zahlen, selbst einchecken? Kurz gesagt: Fühle ich mich hier gut aufgehoben?
Bis in die 80er- und 90er-Jahren stand ich – wie viele andere Gäste – häufig vor der Wahl: Wage ich das Abenteuer eines mir unbekannten, inhabergeführten Hotels oder entscheide ich mich für das Vertraute einer großen Hotelkette? Namen wie Hilton oder Holiday Inn vermittelten ein klares Bild. Bei einem „Hotel zur Linde“ blieb vieles offen.
Für familiengeführte Hotels stellte sich daher die entscheidende Frage: Wie werde ich am Markt sichtbar und vergleichbar, ohne den individuellen Charakter des Hauses zu verlieren? Genau hier setzte vor mehr als 30 Jahren in Niedersachsen eine entscheidende Entwicklung an. Karl-Heinz Waschkeit, Vorsitzender der Fachgruppe Hotels im DEHOGA Niedersachsen, erkannte früh den Wert objektiver, verlässlicher Kriterien. Natürlich blieb Kritik nicht aus. Es gab den Vorwurf, nur Platzhirsche würden profitieren. Auch die zeitliche Begrenzung der Klassifizierung auf drei Jahre war ein Streitpunkt.
Doch gerade sie stellte sicher, dass Hotels sich kontinuierlich weiterentwickeln – konsequent aus Gästesicht. Ein entscheidender Moment kam, als der DEHOGA Bayern, der ebenfalls an Bewertungskriterien arbeitete, den Schulterschluss mit Niedersachsen suchte. Schnell wurde klar: Unterschiedliche Maßstäbe in jedem Bundesland würden keinen Mehrwert schaffen. Im Gegenteil – sie hätten einen unübersichtlichen Kriterien-Dschungel erzeugt. Ein gemeinsames System versprach dagegen Klarheit, Vergleichbarkeit und Vertrauen: Gemeinsam waren wir stärker. Mit der Deutschen Hotelklassifizierung zeigte sich sehr konkret, welchen Unterschied Transparenz machen kann: Allein in Niedersachsen gibt es einige “Hotel zur Linde”. Aber eines dieser Hotels trug auf einmal sichtbar zwei Sterne der Deutschen Hotelklassifizierung. Das sorgte für Aufmerksamkeit.
Plötzlich war dieses Haus nicht mehr eines von vielen, sondern ein Hotel mit klar erkennbarer Qualität. Für Gäste bedeutete dies Orientierung – und für den Betrieb deutlich bessere Chancen, gebucht zu werden als die anderen „Hotel zur Linde“. Dieses Beispiel machte Schule. Weitere Landesverbände schlossen sich an, und so entstand die Deutsche Hotelklassifizierung. Sie ist bis heute ein verlässlicher Maßstab.
Und 30 Jahre zeigen ja, wie wichtig dieses System noch heute für die Hotellerie ist. Es zeigt Gästen objektiv und überprüfbar, was sie erwarten können. Und gerade in einer Zeit, in der digitale Informationen nicht immer der Realität entsprechen, gibt mir ein Klassifizierungsschild eines ganz sicher: Dieses Hotel gibt es wirklich – und es hält, was es verspricht.
