„Deutschland war eines der wenigen Länder ohne Hotelklassifizierung."
Dr. Gerhard Engelmann / Bezirksgeschäftsführer Mittelfranken & Leiter der juristischen Abteilung
Die Diskussion über die Notwendigkeit und Einführung einer einheitlichen, europäischen Hotelklassifizierung wurde bereits seit Ende der 80er Jahre kontrovers geführt.

Bei der Argumentation pro und contra Hotelklassifizierung bestand zunächst Einigkeit darüber, dass am Markt ein transparentes und akzeptiertes System zur Information über Hotelleistungen gebraucht wird. Der Hotelier benötigt es, um sein Angebot zu präsentieren, der Verbraucher, um sich zu informieren und der Wiederverkäufer, wie elektronische Reservierungssysteme oder Reisebüros, um das Hotelangebot möglichst problemlos zu vermarkten. Einigkeit bestand auch darüber, dass die Politik auf diesem Gebiet die Initiative nicht ergreifen sollte. Deutschland, Großbritannien und die skandinavischen Länder waren damals die einzigen EU-Mitgliedsländer, in denen sich der Reisende nicht an einer Hotelklassifizierung orientieren konnte.
Auf jeden Fall musste sich das Hotel- und Gaststättengewerbe an der Lösung dieses Problems beteiligen. Deshalb haben in Deutschland die Länder Niedersachsen und Bayern eine Hotelklassifizierung für ihre Betriebe geschaffen, um nicht durch den Gesetzgeber bzw. durch die EU-Kommission vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Erst 1990 wurde anlässlich der Sitzung des Beirates der DEHOGA Fachgruppe Hotels in Bonn der Beschluss gefasst, dass der DEHOGA die Entwicklungen auf europäischer Ebene beobachten und aktiv beeinflussen soll. Den Landesverbänden sollte es unbenommen bleiben, allein oder mit anderen Landesverbänden und in Abstimmung mit dem DEHOGA Bundesverband Lösungen zu erarbeiten, die als Pilotprojekt für eine Hotelklassifizierung dienen konnten. Danach befürworteten die meisten Länder eine Hotelklassifizierung nach dem bayerischen bzw. dem niedersächsischen Modell, wobei beide Systeme nur geringe graduelle Unterschiede hatten. Lediglich Baden-Württemberg und Hamburg sowie die IHA-Hotels lehnten nach wie vor eine Hotelklassifizierung ab.
Aus dem niedersächsischen und dem bayerischen Modell entstand nach vielen gemeinsamen Sitzungen der Fachgruppen der Länder 1996 die Deutsche Hotelklassifizierung, die in ihren Grundzügen den damaligen Muss-Kriterien und den zusätzlichen, fakultativen Bewertungsmerkmalen entspricht.

