30 Jahre – 30 Geschichten
Wie die Sterne Orientierung gaben – und warum ihre Geschichte bis heute relevant ist
Seit 30 Jahren steht die Deutsche Hotelklassifizierung für verlässliche Orientierung bei der Hotelwahl – für Gäste ebenso wie für Betriebe. Was Mitte der 1990er-Jahre als gemeinsamer Kraftakt der Branche begann, hat sich zu einem anerkannten Qualitätskompass entwickelt: transparent, vergleichbar und praxisnah. Doch hinter den Sternen stehen mehr als Kriterien und Kategorien. Es sind Menschen, Überzeugungen, Diskussionen und prägende Momente, die die Hotelklassifizierung von Anfang an geformt haben – und sie bis heute weiterentwickeln.
Mit unserer Jubiläumskampagne „30 Jahre – 30 Geschichten“ erzählen wir diese Geschichte: persönlich, authentisch und aus unterschiedlichen Perspektiven. Von den Anfängen über den Wandel bis hin zur Frage, was Qualität in der Hotellerie morgen bedeutet. Scrollen Sie weiter und entdecken Sie 30 Geschichten, die zeigen, wofür die Sterne stehen – damals wie heute.

Markus Luthe
Geschäftsführer DEHOGA Deutsche Hotelklassifizierung GmbH
»Die Anfangsphase oder Golfen im Tiergarten«
Die Deutsche Hotelklassifizierung startete am 1. August 1996. Das war auch zugleich mein erster Arbeitstag als Geschäftsführer des Fachbereichs Hotellerie im DEHOGA Bundesverband.
Meine erste Aufgabe war also, der von so viel Skepsis bei der Einführung begleiteten Sterneklassifizierung zum Markterfolg zu verhelfen. Und mir wurde schnell klar, dass der tradierte Klassifizierungsansatz alles andere als erfolgsversprechend war und vom Kopf auf die Füße gestellt werden musste: Es durften nicht die Kriterien die meisten Punkte haben, die die höchsten Investitionen erforderten, sondern die, die den höchsten Gästenutzen stifteten.
Am krassesten verdeutlichte mir das Gianni van Daalen, der legendäre Gründungs-Direktor des Hotel Adlons in Berlin, bei einem Treffen im Herbst 1996. Er zog mich völlig zutreffend mit dem Satz auf: „Wenn Sie glauben, dass ich nun einen Golfplatz rund um das Brandenburger Tor baue, nur um von Ihnen 5 Hotelsterne zu erhalten, dann haben Sie das Problem - nicht ich.“ Touché!
Wir mussten die Gastperspektive also systematischer verankern und baten das Meinungsforschungsinstitut Emnid (später: TNS Infratest und Kantar), uns mit repräsentativen Befragungen deutscher Hotelgäste zu unterstützen. Die Rückschlüsse aus den Gästeerwartungen flossen ebenso wie das Feedback der Selektion Deutscher Luxushotels für das oberste Marktsegment in eine nachfrageorientierte Überarbeitung der Kriterien ein.
Mit dieser Nachjustierung der Hotelklassifizierung auf das, was den Hotelgästen wichtig ist, konnten wir 1998 mit einem generalüberholten Kriterienkatalog die Erfolgsgeschichte der Deutschen Hotelklassifizierung einläuten. Auch die bis dahin von der Hotelklassifizierung noch nicht überzeugten DEHOGA-Landesverbände Baden-Württemberg und Hamburg entschlossen sich zum engagierten Mitmachen.
Erst jetzt konnten wir mit einer bundesweiten Marketingkampagne glaubwürdig bei Hoteliers und Gästen gleichermaßen um Vertrauen in die Hotelsterne werben: Für die Öffentlichkeit verkündeten wir auf der ITB 1998 den Kick-off (Foto: Jugendfoto von mir mit Fußballlegende an unserem Messestand), intern warben wir mit einer breit angelegten Testimonial-Kampagne um die Akzeptanz der Branche.
Eine Erinnerung von Karl-Heinz Waschkeit
Ehemaliger Vizepräsident und Vorsitzender der Fachgruppe Hotels des DEHOGA Niedersachsen
„Acht Stufen ins Souterrain“
Was mit acht Stufen ins Souterrain begann, wurde zu einem Schritt nach vorn für Transparenz und Qualität.
Celle als Keimzelle der Klassifizierung
Eine Erinnerung von Karl-Heinz Waschkeit
„Ende 1987 besuchte ich eine Ferienwohnung in Celle. Ein schönes Haus mit gepflegtem Vorgarten. Der erste Eindruck: vielversprechend.
„Die Ferienwohnung? Dann müssen wir nach hinten über den Hof gehen“, hieß es.
Acht Stufen führten hinunter ins Souterrain. Zwei Betten, ein älteres Sofa – und vieles von dem, was sonst den Raum füllte, waren Gartenmöbel. Spätestens in diesem Moment war mir klar: Für so etwas darf der DEHOGA seinen Namen niemals hergeben. Beurteilungen „nach Gutdünken“ reichten nicht mehr aus. Es brauchte klare, nachvollziehbare Maßstäbe.
Dieses Erlebnis wurde für mich zum Wendepunkt. 1988 fuhr ich – ohne große Absprache – in die Schweiz, um mir dort die Hotelklassifizierung anzusehen. Ich wollte verstehen, wie andere Länder Qualität systematisch sichtbar machen. Was ich dort sah, bestärkte mich: Transparenz und klare Kriterien schaffen Vertrauen.
Gemeinsam mit Hans Grashoff im Harz und Renate Mitulla vom DEHOGA Niedersachsen begannen wir, die Grundlage für eine verbandliche Hotelklassifizierung in Niedersachsen zu entwickeln. Es war kein leichter Weg – aber ein entschlossener. „Wir wollen – wir werden 1.000 Betriebe klassifizieren“, lautete das Ziel.
Mitstreiter wie Rudi Meyer in Lüneburg, Hans Klute in Osnabrück oder die Feldtmänner in Stade standen hinter der Idee. Und vor allem aber auch ein leistungsbereites, engagiertes Hauptamt – in Niedersachsen zunächst mit Renate Mitulla, später zudem mit Claudia Weiss – trug das Vorhaben.
Acht Jahre später kamen Vertreter aus der Schweiz nach Hannover, um sich unsere Klassifizierung anzusehen.
Was mit acht Stufen ins Souterrain begann, wurde zum entscheidenden Schritt nach vorn für Transparenz und Qualität.“



